fad(e) (Speisen)


fad(e) (Speisen) (Frage 4h)

Um auszudrücken, dass "eine Speise wenig Geschmack hat", verwendet man fast überall im deutschen Sprachgebiet das Adjektiv fad(e). Gelegentlich wurde auch langweilig angegeben, dies beschränkt sich aber auf wenige verstreute Meldungen, vor allem in Norddeutschland sowie im Süden in Vorarlberg und Südtirol. Nur ein Gebiet hat einen speziellen regionalspezifischen Ausdruck: Im größten Teil von Nordrhein-Westfalen sagt man laff. Besonders einhellig sind diese Antworten im Ruhrgebiet, aber auch im Sauerland und östlich und westlich von Köln.

Das RhWb (Bd. 5, 37) verzeichnet laff  'fade, schal, zu wenig gesalzen, unschmackhaft' für die Dialekte in diesem Gebiet. Die Herkunft des Worts, das es auch im Niederländischen gibt, ist nicht klar. Nach dem Verbreitungsgebiet könnte es aus einer nordwesteuropäischen Substratsprache stammen; ob ein Zusammenhang mit schlapp/schlaff besteht oder ob es sich eher um ein lautmalendes Wort handelt, ist ebenfalls unsicher (EWN). Dass das Dialektwort sich in der nichtdialektalen Alltagssprache etabliert hat, ist sicher dadurch begünstigt worden, dass es keine spezifisch dialektalen Merkmale aufweist.

Das an den meisten Orten übliche Wort fad(e) wurde im 18. Jh. aus dem Französischen entlehnt. Es geht wahrscheinlich auf lat. fatuus ‘albern, einfältig, geschmacklos’ zurück, wobei die Lautform jedoch einen Einfluss von sapidus 'schmackhaft' oder vapidus 'verdorben' annehmen lässt (Kluge, Pfeifer). Es scheint ein naheliegendes Phänomen zu sein, dass Wörter für den Geschmack von Speisen bzw. den Geschmacksinn in metaphorischer Übertragung für den menschlichen Geist und dessen Äußerungen und Zustände verwendet werden. Das gilt auch für laff, s. RhWb (vgl. z.B. a. DWB salzlos). Die deutschen Wörter geschmacklos und abgeschmackt sind in der ursprünglichen Bedeutung  (s. DWB) ganz außer Gebrauch geraten, vor allem für Speisen hat sich im größten Teil des deutschen Sprachraums fad(e) etabliert, das im Französischen beide Bedeutungen hat. Anders als in den anderen deutschsprachigen Gebieten ist dies auch in Altbayern und Österreich so, hier ist auch die Verwendung von fad im Sinne von 'langweilig' allgemein üblich (s. http://www.atlas-alltagssprache.de/r8-f4g-2/ ). Bei langweilig in der Verwendung für geschmacklose Speisen ist die Übertragung den umgekehrten Weg gegangen, das Wort ist ja noch durchsichtig als Ausdruck dafür, dass einem die Zeit lang vorkommt.