geschwind

11_2f_geschwind

schnell / geschwind / fix / flott (Frage 2f)

Wenn man ausdrücken will, dass etwas in kurzer Zeit erledigt werden kann, z.B. in dem Satz Ich muss noch ... Brot besorgen, verwendet man im größten Teil des Sprachgebiets schnell. Das Wort ist in dieser Bedeutung fast in ganz Deutschland üblich, aber auch in der Schweiz, in Südtirol und teilweise in Österreich. Der ursprüngliche Zusammenhang mit schnell in der Bedeutung ‘mit hoher Geschwindigkeit’ liegt auf der Hand: Wenn eine Tätigkeit mit höherer Geschwindigkeit ausgeführt wird, ist sie in kürzerer Zeit erledigt. Trotzdem handelt es sich heute um unterschiedliche Bedeutungsvarianten: Man kann eine Strecke mit dem Auto schnell fahren und trotzdem lange brauchen, weil man am Ende der Fahrt noch in einen Stau gerät, oder in mäßigem Tempo schnell (= in zehn Minuten) zum Bäcker im Nebenhaus und zurück gehen. Das Spektrum an Bedeutungen, die das Wort im Lauf seiner Geschichte entwickelt hat, ist noch deutlich breiter: In Texten aus dem Mittelalter findet sich snel häufig „als lobendes beiwort für kraftvolle jünglinge, helden. es scheint auf körperliche tüchtigkeit, behende kraft zu gehen, in der zu jener zeit der ruhm wurzelte“ (DWB Bd. 15, Sp. 1286), Pfeifer gibt als Bedeutungen für das Mittelhochdeutsche an ‘rasch, frisch und munter, stark, kräftig, tapfer, eifrig’ und setzt als Ausgangsbedeutung für germ. *snella- ‘(be)gierig, rasch zupackend, scharf, spitz’ an. Im Schwedischen hat sich die Bedeutung von snäll zu ‘tüchtig, geschickt, klug’ und in jüngerer Zeit schließlich zu ‘freundlich, nett, lieb; artig, brav’ entwickelt (s. Hellquist S. 817), während das germanische Lehnwort snello im Italienischen die Bedeutung ‘behende’ bewahrt hat, aber auch die Bedeutungsvariante ‘schlank’ entstanden ist.

Ein eigenes Wort dafür, dass etwas nicht lange dauert, gibt es dagegen im Südwesten und in Österreich: Dort sagt man in Fällen wie dem Beispiel „noch ... Brot besorgen“ geschwind bzw. gschwind. Die Geschichte von geschwind zeigt eine ähnliche Entwicklung und Breite des Bedeutungsspektrums wie bei schnell: Das DWB setzt als Ausgangsbedeutung ‘ungestüm, heftig und kräftig’ an (so bildet noch Luther den Gegensatz „scharf und geschwinde“ vs. „stumpf und gelinde“, s. DWB, Bd. 5 Sp. 3995), das DWB führt u.a. auch Belege in den Bedeutungen ‘gefährlich’, ‘schlagfertig, klug’, ‘arglistig’ auf; durchgesetzt hat sich dann zuletzt ‘schnell’. Abgesehen von dem hier kartierten, vor allem adverbialen Gebrauch von g(e)schwind in bestimmten Regionen ist heute nur noch das davon abgeleitete Substantiv Geschwindigkeit allgemein gebräuchlich, das in Bezug auf hohes oder niedriges Tempo neutral ist (während es im 19. Jh. zumeist noch verwendet wurde wie heute Schnelligkeit, s. DWB).

In Sachsen und Thüringen würde man in dem Beispielsatz neben schnell auch fix verwenden. Das Wort stammt aus dem Lateinischen (fīxus ‘befestigt, fest’ als Partizip Perfekt zu fīgere ‘anheften’), in der Bedeutung ‘fest’ existiert es z.B. noch in fixe Kosten, Fixpunkt, oder fixe Idee. Der Gebrauch im Sinn von ‘beständig’ (seit dem 16. Jh. im Deutschen belegt) ging über in die Bedeutungen ‘sicher, geschickt, gewandt, erfahren’ (17. Jh.) und dann ‘behende, rasch, schnell’, die „seit dem 17. Jh. häufig und wohl durch die Studentensprache verbreitet“ ist (DWDS). Das Wort fix ist auch in anderen Regionen verbreitet (s. VWB, s. z.B. a. Ostfriesisches Wörterbuch), scheint aber in der hier gemeinten Verwendung eine ostmitteldeutsche Spezialität zu sein.

Speziell im Westen (südliches Ostbelgien, Eifel) wurde dagegen für unseren Beispielkontext flott angegeben. Auch dies ist ein Wort, das in verschiedenen Verwendungsweisen (etwa im Sinn ‘beschwingt; schick’) auch in anderen Regionen bekannt ist und in übertragenen Bedeutungen wie diesen auch wieder über die Studentensprache populär geworden ist (s. Pfeifer). Die Verwendung im Sinn von ‘schnell’ ist noch etwas näher an der Ausgangsbedeutung ‘schwimmend’ des ursprünglich niederdeutschen Worts, das mit fließen verwandt ist (vgl. die Pflanzenbezeichnung Entenflott: https://www.atlas-alltagssprache.de/runde-7/f05b/ ).