Leitkegel

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Leitkegel (Frage 4a)

Leitkegel
Foto: JVJohannes, via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Für den abgebildeten Gegenstand, mit dem auf kleine Baustellen aufmerksam gemacht wird, gilt nach der Straßenverkehrsordnung offiziell die Bezeichnung Leitkegel. Sie weist auf die Form und die Funktion hin (s. https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/anlage_4.html). Allerdings wird diese Bezeichnung in der Alltagssprache recht wenig verwendet, nur in Brandenburg und auf der Alpensüdseite wurde sie an einigen Orten als üblichste Variante angegeben. Ansonsten heißt es – mit Ausnahme der Schweiz und Baden-Württembergs – meistens Verkehrshütchen (bzw. mit anderen regionalen Verkleinerungsformen Verkehrshütle, Verkehrshüterl etc.). In Baden-Württemberg und einem westlich daran anschließenden Streifen von Unterfranken über Bayerisch-Schwaben bis Vorarlberg und Osttirol ist man sich dagegen (auffällig) einig, dass die Diminutivform Hütle (ohne das Bestimmungswort Verkehrs-) die normale Bezeichnung dieses Gegenstands ist. Tatsächlich hat dessen norddeutscher Erfinder ihn offenbar Hütchen getauft, genauer Lübecker Hütchen zu Ehren seiner Heimat (https://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article113556852/Wie-ein-Luebecker-aufs-Huetchen-kam.html). Diese Bezeichnung macht deutlich, dass das Absperrzeichen innen hohl ist, man kennt sie z.B. auch für die hohlen Kegel, die als Spielsteine bei Brettspielen dienen. Selbstverständlich war diese Form nicht immer, zunächst erfüllten rot-weiß angestrichenen Tonnen, die mit Steinen beschwert waren, die Funktion der variablen Abgrenzung und Absperrung von Fahrbahnen. Die Entwicklung des leichten, stapelbaren und ungefährlichen „Lübecker Hütchens“ geht darauf zurück, dass dessen Erfinder Ewald Kongsbak 1952 Zeuge eines tödlichen Unfalls mit dieser Vorgängervariante wurde. Patentiert wurde er seine Entwicklung – die ihre Standfestigkeit einem Metallring am Fuß und damit einem sehr tiefen Schwerpunkt verdankt – allerdings nicht, weil es in den USA schon eine ähnliche Form gab (https://de.wikipedia.org/wiki/Leitkegel).

Neben (Verkehrs-)Hütchen gibt es im ganzen Sprachgebiet die Bezeichnung Pylon, wobei eine deutliche Konzentration auf das nordwestliche Viertel von Deutschland zu sehen ist, vor allem auf Teile von Nordrhein-Westfalen. Das Wort geht zurück auf das griechische pylṓn 'Tor, Turm' und dient zur Bezeichnung verschiedener tor- und trägerartiger Teile von antiken und modernen Bauwerken (s. DUW). In weiten Teilen der Schweiz – außer in den Kantonen Bern und Wallis –  sagt man dagegen einhellig Töggeli. Togg, Diminutiv Töggeli, kann in Schweizer Dialekten zum einen ein zurechtgeschnittenes Stück Holz (Pfahl usw.)  bezeichnen, zum anderen eine plastische Figur bzw. Puppe (Schweizerisches Idiotikon, 1150ff.; vgl. auch DWB II,1208 Docke). Gebräuchlich ist Töggeli in jüngerer Zeit aber vor allem als Kurzform für Töggelichaschte, also wörtlich „Töggelikasten“, womit der 'Tischfußballtisch' gemeint ist (wohl von der Bedeutung 'Puppe' ausgehend), und dann weiter für das Spielen damit (z. B. Töggeli-Turnier).