Klöße/Knödel

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Klöße/Knödel (Frage 1f)

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Foto: Axel Hoffmann / pixelio.de

Größere Kugeln oder Bollen aus zerkleinerten Erdäpfeln/Kartoffeln/… (s. Abb.) werden im deutschen Sprachgebiet entweder Klöße oder Knödel genannt. Grob gesehen teilt sich das Sprachgebiet an der Mainlinie in einen südlichen Teil, in dem fast ausschließlich Knödel verwendet wird, und einen nördlichen Teil, in dem die Bezeichnung Klöße dominiert.  Allerdings zeigen sich in dieser ,Nordhälfte‘ regional auch einige Unterschiede. Zunächst einmal müssen Luxemburg und Ostbelgien ausgenommen werden, wo man vorwiegend Knödel sagt. Auch aus einigen Orten im Westen Deutschlands, vor allem im Rheinland und in Südhessen, wurde Knödel als ortsübliche Variante gemeldet. In Ostdeutschland, in Nordhessen und in Franken scheint dagegen fast ausschließlich das Wort Klöße üblich zu sein. Im Norden und Nordwesten Deutschlands ist Klöße die deutlich überwiegende Varianten, doch wurde von dort häufig Knödel als Zweitvariante gemeldet. Die WDU-Karte „der Kloß“ (WDU 2, 66), die eine ähnliche Verteilung zeigt (allerdings mit einem weiter nach Süden reichenden Klöße-Gebiet), ist nur bedingt mit der vorliegenden Karte vergleichbar, weil nicht speziell nach Kugeln aus Erdäpfeln/Kartoffeln, sondern „aus Mehl, Grieß usw.“ gefragt wurde und sich dadurch einige Ungenauigkeiten bei den Angaben ergaben (vgl. WDU 2, Kommentar S. 18). Recht klar lässt sich auf der WDU-Karte jedoch ersehen, dass das Wort Knödel in den 1970er Jahren im Norden kaum üblich war.

Dafür spricht auch der sprachgeschichtliche Befund: Während das Wort Kloß Vorläufer im gesamten Sprachgebiet hat (mhd. klōʒ ‘Klumpen, Knolle, Knäuel, Kugel […]’, mnd. klōt ‘Klumpen, Kugel, Hoden’), war die Verbreitung des Worts Knödel – ein l-Diminutiv zu Knoten – früher auf den hochdeutschen Sprachraum beschränkt (vgl. Pfeifer). Daraus wie auch aus dem (vorsichtigen) Vergleich mit der WDU-Karte lässt sich schließen, dass das Wort Knödel sich – möglicherweise erst in den letzten Jahrzehnte – vom Süden in den Norden ausgebreitet hat.

Ein Grund dafür könnte die Verbreitung einer Produktbezeichnung sein: Da die Zubereitung dieser Speisen recht mühsam sein kann, werden im Lebensmittelhandel Fertigmischungen angeboten. Die meisten dieser Produkte verwenden die Bezeichnung Kartoffelknödel; das mag zur Verbreitung von Knödel im Norden beigetragen haben. (Allerdings machen manche Hersteller auch einen Unterschied: Für die Mischung, die halb aus gekochten und halb aus rohen Kartoffeln hergestellt wird, wird die Produktbezeichnung „Kartoffelknödel“ verwendet; für Mischungen aus rohen Kartoffeln hingegen steht auf den Packungen „Kartoffelklöße“.) Ähnliche Unterscheidungen sowie Differenzierungen zwischen den Wörtern Knödel und Kloß in Abhängigkeit von den Bestandteilen haben auch die Gewährsleute des WDU (s. WDU 2, S. 18) sowie der vorliegenden Umfrage gemacht, vgl.:

es gibt hier sowohl Klöße als auch Knödel, doch gibt es zwischen beiden einen Unterschied: Klöße sind aus rohen, Knödel aus gekochten Kartoffeln (Informant aus Düsseldorf)

aus Kartoffeln eher Klöße, nur manchmal Knödel; aber: immer Semmelknödel, Griesklöße/‑klößchen, Spinatknödel, Speckknödel (Informant aus Frankfurt am Main)

Kartoffelklöße wie Thüringer Klöße werden ausschließlich als „Klöße“ bezeichnet, Böhmische Knödel allerdings z.B. als „Knödel“. Überhaupt wird mitunter differenziert zwischen Kloß (= Kartoffelkloß) und Knödel (= Mehlkloß). (Informant aus Jena)

Aus der Schweiz gab es auch einige Male die Anmerkung, dass „weder Knödel noch Klösse […] als Mahlzeit aus der Schweiz“ bekannt seien (so etwa ein Informant aus Kreuzlingen). Wohl aus diesem Grund ist das Gebiet der Schweiz auf der WDU-Karte fast ganz ausgespart worden.

Nicht gefragt wurde in Runde 9 nach dem ersten Bestandteil des Worts für die hier erfragte Speise; diese richtet sich entweder nach der regional üblichen Bezeichnung für die Knolle (Erdäpfel, Kartoffel etc., s.  http://www.atlas-alltagssprache.de/kartoffeln/) oder nach der Herstellungsart (Reiber-).