Artikel + Nachname

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Artikel + Nachname (Frage 2c und 2d)

Die Verwendung des bestimmten Artikels zeigt bei Nachnamen im Prinzip kein ganz anderes Muster als bei Vornamen: Allgemein üblich ist sie von der Mitte Deutschlands an nach Süden, in Norddeutschland ist sie eher unüblich – jedoch reicht der Gebrauch bei Nachnamen offenbar etwas weiter nach Norden als der bei Vornamen, insbesondere in Ostdeutschland (Sachsen-Anhalt, Brandenburg-Berlin). Dort wurde bei dieser Frage verbreitet üblich angeklickt, aber auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein kommt diese Meldung noch vor, und die Antwort manchmal ist im Norden ebenfalls verbreiteter als bei Vornamen.

Anders als bei Vornamen ist bei Nachnamen außerdem damit zu rechnen, dass das Geschlecht der gemeinten Person eine Rolle spielen könnte. Die Verwendung des „nackten“ Familiennamens – ohne Vorname, ohne Artikel und ohne den Zusatz Herr – hat im Deutschen Bezug auf Männer Tradition, sowohl für Personen im nahen Umkreis als auch für bekannte/historische Persönlichkeiten (vgl. den Gebrauch in Bezug auf Berühmtheiten – Kant, Goethe, Beethoven  –  oder Politiker; in französischen Zeitungen heißt es dagegen M[onsieur] Hollande). In beiden Fällen macht der Verzicht auf den Vornamen deutlich, dass nur eine Person dieses Namens in Frage kommt. Auch in wissenschaftlichen Texten ist seit Jahrhunderten die Verwendung des reinen Nachnamens von anderen Autoren üblich. In Bezug auf Frauen ist diese Praxis dagegen erst seit kurzer Zeit selbstverständlich; noch vor weniger als zwanzig Jahren schrieben manche wissenschaftlichen Zeitschriften vor, dass weibliche Autoren mit Vor- und Nachname anzugeben seien, und Dieter E. Zimmer schreibt noch 1998: „Begrüßenswert und gänzlich unproblematisch ist auch, daß – zum Beispiel in der Sportberichterstattung – immer öfter der nackte Nachname gebraucht wird, wenn von Frauen die Rede ist: Huber wie Becker, Graf wie Stich.“ (http://www.d-e-zimmer.de/HTML/pc-sprache1998.htm  [06.3.2013]).  Vor dieser Entwicklung musste entweder der Vorname oder der bestimmte Artikel die Kennzeichnung des weiblichen Geschlechts leisten, letzterer insbesondere bei Künstlerinnen – die Callas, die Knef.  Für Zimmer (ebd.) ließ „das gräßliche die der Diven“ allerdings „immer auch an den Klatsch auf Berliner Hinterhöfen denken (‚die Schlatzke hat doch heute den Müll danebengekippt‘)“. Naheliegend wäre die Annahme, dass auch im letzteren Fall, im familiären Gebrauch, der Artikel u. a. die Funktion hat, das Geschlecht der Person anzuzeigen. Der Vergleich der Karten zeigt jedoch nur eine geringfügig weitere Verbreitung von üblich-Meldungen beim Gebrauch für weiblicher Personen (Berlin/nördliches Brandenburg, Schleswig-Holstein). Teilweise ist jedoch eine Kennzeichnung des Geschlechts durch Anhängen des Suffixes -in an den Familiennamen üblich (die Müllerin [üblich]), besonders in Bayern, Österreich und Sachsen, vereinzelt/manchmal auch andernorts.