damit, davon, daran

Nach den Grammatiken werden sog. ‚Pronominaladverbien‘ (oder ‚Präpositionaladverbien‘), das sind Wörter aus da-, wo- oder hier- und einer Präposition (damit, womit, hiermit; daran, woran, hieran etc.), in der schriftlichen Standardsprache grundsätzlich zusammengeschrieben. In der Alltagssprache jedoch finden sich verschiedene Formen, bei denen entweder die beiden Teile dieser Wörter getrennt stehen (Typ I: da halte ich nichts von, da habe ich nicht an gedacht) oder der erste Teil ‚verdoppelt‘ wird. Im letzteren Fall gibt es wieder zwei Möglichkeiten: Entweder stehen der verdoppelte Teil und das Pronominaladverb getrennt (Typ IIa: da halte ich nichts davon, da habe ich nicht d(a)ran gedacht) oder sie stehen zusammen (Typ IIb: da davon halte ich nichts, da d(a)ran habe ich nicht gedacht). Kein Pronominaladverb, aber eine funktionsgleiche Form ist eine Verbindung aus der Präposition von und dem Demonstrativpronomen dem: Von dem halte ich nichts. Wir haben nach den in der jeweiligen Stadt üblichen Formen für die drei Beispielsätze Davon halte ich nichts.“, „Damit kann ich nichts anfangen.“ und „Daran habe ich nicht gedacht/(ge)denkt.“ gefragt. Im Wesentlichen fanden wir die regionalen Verteilungen bestätigt, die wir bei der vorigen Umfrage zu davon und darauf ermittelten.

f2_21a

damit (Frage 21a)

Die Verteilung der verschiedenen Stellungsformen von damit (bzw. mit dem) entspricht ungefähr der bei davon (bzw. von dem): die einfache Getrenntstellung da kann ich nichts mit anfangen hauptsächlich nördlich des Mains, die ‚Verdoppelungsformen‘ da kann ich nichts damit anfangen und dadamit kann ich nichts anfangen sowie mit dem kann ich nichts anfangen nur südlich davon. Es gibt aber auch auffällige Unterschiede. So wird die zusammenstehende Verdoppelung (dadamit kann ich nichts anfangen) aus dem Süden kaum gemeldet, dafür lässt sich auch in Bayern die Verbindung von Präposition + Demonstrativpronomen (mit dem kann ich nichts anfangen) vernehmen. Die getrennt stehende Form da kann ich nichts mit anfangen kann man offenbar auch häufig im Südwesten des Sprachgebiets hören. Dies ist auch in den alten Dialekten feststellbar, und zwar nur für das Pronominaladverb damit (s. Fleischer 2002)!

f2_21b

davon (Frage 21b)

Zu „Davon halte ich nichts.“ wurde am häufigsten und flächendeckend die ‚korrekte‘ zusammenstehende Form genannt. Die anderen Formen zeigen jedoch ein charakteristisches regionales Muster: Die einfache Getrenntstellung (da halte ich nichts von) wird fast nur aus dem Norden gemeldet. Dagegen werden im Süden – bis hinauf nach Thüringen und Sachsen – die ‚Verdoppelungskonstruktionen‘ bevorzugt: In Österreich wurde von den Pronominaladverbformen fast ausschließlich die getrennt stehende Verdopplung (da halte ich nichts davon) genannt, und im Süden Deutschlands – ungefähr südlich des Mains – sowohl die getrennte Verdopplung als auch die zusammenstehende Verdopplung (dadavon halte ich nichts). Diese Nord-Süd-Verteilung entspricht ziemlich genau dem Gebrauch in den Dialekten (s. Fleischer 2002), und sie zeigt sich auch schon im „Wortatlas der städtischen Umgangssprachen“ für die ostdeutschen Bundesländer (Protze 1997). Im Gegensatz zur vorigen Umfrage haben wir dieses Mal auch die Variante Von dem weiß ich nichts bei den Auswahlmöglichkeiten angeboten. Diese wurde deutlich häufiger als beim letzten Mal angekreuzt, und zwar vor allem in der Schweiz, aber auch aus Württemberg und aus Österreich.

f2_21c

daran (Frage 21c)

Wenn die Präposition im Pronominaladverb mit einem Vokal beginnt, sehen sowohl die Varianten als auch ihre regionale Verteilung anders aus – das war schon im Fall darauf zu sehen. Bei darauf und – wie in diesem Fall – daran wird in der Standardsprache und vielfach in der Alltagsprache ein -r- eingefügt. Die Getrenntstellung (da habe ich nicht an gedacht), die man aus einigen nordwestdeutschen Dialekten kennt, gibt es in der Alltagssprache fast gar nicht. Verbreitet ist dagegen im gesamten Sprachgebiet und besonders im Norden eine Verdopplungsform, bei der das -a- im zweiten -da- ‚verschluckt‘ wird (da habe ich nicht dran gedacht/(ge)denkt). Die ‚ausgeschriebene‘ Verdopplungsform wurde in der Mitte und im Süden Deutschlands nur ganz selten genannt (dadarauf habe ich keine Lust, auch in Österreich), viel häufiger dafür die zusammenstehende Verdopplungsform (dadran habe ich nicht gedacht/(ge)denkt, auch in der Schweiz); diese beiden Verdopplungsvarianten sind im Norden Deutschlands ganz selten. Die getrennt stehende Verdopplungsform (da habe ich nicht daran gedacht/(ge)denkt) kommt, wieder recht selten, nur im Süden des Sprachgebiets vor. Die übliche Variante für diesen Satz ist in der Alltagssprache der Alpenländer jedoch die Verbindung von Präposition + Demonstrativpronomen (an das habe ich nicht gedacht/(ge)denkt).