Mücke


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Mücke (Frage 4d)

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Foto: Alan R Walker / CC BY-SA 3.0

Das abgebildete „kleine Insekt, von dem man oft im Sommer gestochen wird und dessen Stich einen unangenehmen Juckreiz hinterlässt“ (so die Frage), wird in der Nordhälfte von Deutschland überall Mücke genannt, bis einschließlich Nordrhein-Westfalen, der Nordhälfte von Hessen, Thüringen und Sachsen. Das in den germanischen Sprachen verbreitete Wort (vgl. niederl. mug, engl. midge, schwed. mygg) hat wohl einen lautmalerischen Ursprung, es handelt sich um Weiterbildungen einer das eindringliche Summen nachahmenden Wurzel ie. *mū̌-“; auch lat. musca 'Fliege' (frz. mouche, span./ital. mosca – span. mit Diminutiv mosquito 'Stechmücke') wird darauf zurückgeführt (Pfeifer). Wie auch im Fall der Schabe war und ist die sprachliche Unterscheidung der Insekten nicht immer ganz klar und übersichtlich, sondern bietet Gelegenheit für Missverständnisse: Südlich des norddeutschen Mücke-Areals in unserer Karten gibt es das Wort Mücke auch, hier aber zumeist als Bezeichnung für ein nur lästiges, nicht stechendes Insekt ('(kleine) Fliege'). Im nördlichen Rheinland-Pfalz und im Saarland wird das stechende Insekt dann oft eindeutiger als Stechmücke bezeichnet (vgl. RWA Ktn. 89 und 90 zur Verteilung im Dialekt), auch in Thüringen kommt dies genau an der Südgrenze des Mücke-Gebiets vor. In der Südhälfte Deutschlands dominiert aber vor allem Schnake – was andernorts wiederum zur Bezeichnung größerer Mückenarten verwendet wird, auch solcher, die sich von Pflanzensäften statt von Blut ernähren (s. DUW).  Während die kleine blutsaugende Art im Münchner Raum sowie in der ganzen Schweiz, in Liechtenstein, Vorarlberg und in Südtirol (teilweise auch im österreichischen Tirol) dann wieder Mücke genannt wird, sagt man im größten Teil Österreichs Gelse (Gölse(n), Gös(n)), auch dies eine lautmalerische Bildung (bair. gelsen 'summen', Kluge). Der Südosten von Bayern hat noch eine eigene Bezeichnung, Staunz'n. Auch hier ist evtl. (ursprünglich) nicht genau dieselbe Art gemeint (vgl.  DWB XVII, 1213 Stauze), nach den Antworten auf unsere Frage hat sich das Wort aber in diesem Gebiet als Bezeichnung des andernorts Mücke genannten Insekts durchgesetzt.

Im Vergleich zur Karte des WDU (101) fällt auf, dass Schnake dort noch weiter im Norden, auch in Sachsen und Thüringen, verzeichnet ist, und auf der anderen Seite auch noch in der Schweiz, während dort heute die Staatsgrenze recht klar mit der Wortgebrauchsgrenze übereinstimmt. Auch in Österreich gibt es im WDU noch mehr vom dominierenden Gelse abweichende Mücke-Meldungen. Auch das Areal von Staunz'n hat sich nach unserer Karte gegenüber der WDU-Karte konsolidiert.