abkönnen

11_3i_abkoennen

etwas abkönnen (Frage 3i)

Etwas abkönnen ist im DUW als „besonders norddeutsch umgangssprachlich“ verzeichnet, mit zwei Bedeutungsvarianten: 'leiden können, ertragen können' (im Beispiel mit Negation: „den, das kann ich einfach nicht ab“) und 'aushalten, vertragen' (ein Glas wirst du doch noch a[bkönnen]; es ist unglaublich, was der alles abkann). Das VWB gibt nur die erste Bedeutungsvariante an und stuft dieses Verb, „meist verneint“, als „Grenzfall des Standards“ ein; die beiden dort angegebenen Beispiele aus dem Hamburger Abendblatt und der Badischen Zeitung untermauern die Verbreitungsangabe „Deutschland“ (ohne weitere Einschränkung).

Bei unserer Frage hob der Beispielkontext eher auf die zweite Bedeutungsvariante ab: Keine Sorge – der kann das ab. Hierfür jedenfalls zeigt die Karte sehr klar, dass es sich um einen Ausdruck der deutschen Nordhälfte handelt: In allen norddeutschen Regionen und bis hinunter nach Nordrhein-Westfalen und noch am Mittelrhein, in Sachsen-Anhalt und in Brandenburg wurde abkönnen fast einheitlich als allgemein üblich eingestuft; etwas weiter südlich (Saarland, Pfalz, Hessen, Sachsen) dann schon häufiger als nur manchmal verwendet, in Süddeutschland dominiert dagegen ganz eindeutig unüblich. In Österreich, Südtirol und Elsass/Lothringen wurde ausschließlich „unüblich" angeklickt, im altbairischen Gebiet ebenfalls. Ansonsten kommen in Süddeutschland und in der Schweiz nur noch ein paar (Zweit-)Meldungen von „manchmal" vor.

Das Verb existiert auch im Niederdeutschen (bzw. ist wahrscheinlich von dort ins Gemeindeutsche gelangt), vgl. z.B. Sass oder https://www.platt-wb.de ofkönen; im Niederländische hat iets afkunnen dagegen die etwas andere Bedeutung 'etwas fertigmachen können, bewältigen, schaffen' (z.B. eine Arbeit).

Das Kartenbild lässt eine Ausbreitung von niederdeutschen Norden aus Richtung Süden annehmen. Vielleicht ist das Verb vor allem im Sinne der ersten Bedeutungsvariante populär, weil es in besonders ökonomischer Weise eine Abneigung ausdrückt. Die beiden Bedeutungsvarianten liegen aber sehr nah beieinander und sind gar nicht immer klar zu trennen, und möglicherweise liegt hier ein weiterer Vorteil: Die Abneigung gegen etwas oder jemanden bekommt durch den Zusammenhang den Charakter einer nicht hinterfragbaren (körperlichen) Unverträglichkeit. In der letzten Zeit scheint die Karriere des Worts, das das DWB noch nicht aufführt, sich zu beschleunigen: Das DWDS-Zeitungskorpus zeigt einen deutlichen Anstieg der Häufigkeit ab ca. dem Beginn des 21. Jahrhunderts.