Zwetschge / Pflaume

Zwetschge/Pflaume (Fragen 1h und 1g)

Im Fragebogen ging es um ortsübliche Bezeichnungen für zwei Obstarten, die nicht weiter beschrieben wurden – es waren jeweils nur die Abbildungen beigegeben. Im einen Fall waren etwas längliche Früchte mit einer dunklen Schale zu sehen, im anderen Fall eine eher rundliche Frucht mit rötlicher Schale. Beide werden botanisch zur Prunus domestica gerechnet; die längliche Frucht mit der dunklen Schale wird auf Wikipedia und in einschlägigen Kochforen häufig als Zwetschge bezeichnet und als Unterart („subsp. domestica“) der etwas rundlicheren Pflaume charakterisiert. (Eine andere Unterart ist die Reine Claude.) Aber wird ein solcher Bezeichnungsunterschied auch in der Alltagssprache gemacht?

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Die Frucht mit der länglichen Form und der dunkleren Schale wird im ganzen Norden des deutschsprachigen Gebiets (inklusive Ostbelgien und dem nördlichen Teil von Rheinland-Pfalz sowie an ein paar Orten im Rhein-Main-Gebiet), aber Hessen und einen Teil des Weserberglands ausgenommen, als Pflaume bezeichnet (meist wie Flaumen ausgesprochen). In allen anderen Gebieten verwendet man für diese Frucht das Wort Zwetschge oder eines der Laut- bzw. Schreibvarianten: Zwetsche heißt es in Teilen Hessens und des Moselgebiets. Eine lautliche Variante von Zwetsche ist Quetsche: Zugrunde liegt ein mit tw- anlautendes Wort, das sich im Oberdeutschen zu Zw- entwickelt hat, im Mitteldeutschen dagegen zu /kw/, geschrieben qu- (Paul/Wiehl/Grosse 1989, 160f.); ähnlich hängt quer mit Zwer(ch)- in Zwerchfell zusammen (also der ‚quer‘ zwischen Brust- und Bauchhöhle liegenden Muskel-Sehnen-Platte). In Österreich wird das Wort häufig Zwetschke geschrieben. Aus Ost- und Südtirol wird zudem die Lautvariante Zweschpe gemeldet (s. Scheutz 2016, 207).

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Im Zusammenhang mit der Frage nach den Bezeichnungen für die rundlichere und rötlichere Frucht interessierte, wie erwähnt, ob alltagssprachlich überhaupt zwischen den Bezeichnungen für die beiden Früchte differenziert wird. Recht klar kann man beim Vergleich der beiden Karten sagen, dass im Nordwesten und im Osten Deutschland sowie in Ostbelgien nicht unterschieden wird – dort heißen beide Früchte heute Pflaumen. Dort, wo noch mehr Dialekte gesprochen werden, das heißt im ,mittleren Westen‘ (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) und im Süden des deutschsprachigen Gebiets, wird vielerorts durchaus differenziert.

Die heutigen Sprachverhältnisse in Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie Luxemburg, im Elsass und in Lothringen zeigen, wie es dialektal im ganzen Westen war (das Rheinland inklusive, s. RhWb VI, 1080b, unter Praume): Für die längliche dunklere Frucht sagt(e) man Zwetschge (oder Zwetsche), für die rötlichere und rundlichere Frucht, die auch früher geerntet wird, Pflaume (oder Pfraume bzw. Prümm, s. PfWb I, 855, unter Pflaume; ElsWb II, 145a unter Pflum(e); LothWb I, 67b unter Prum). Ähnlich wird an vielen Orten in Baden-Württemberg, Bayern und in der Deutschschweiz unterschieden: Die dunkle Frucht heißt häufig Zwetschge, die hellere Pflaume. Es wird aber nicht überall im Süden differenziert: In manchen Orten Schwabens, Altbayerns, Südtirols und Österreichs wird das eine wie das andere Obst unterschiedslos als Zwetschge (oder Zwetschke) bezeichnet.