Apfelmus

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Apfelmus/-brei (Frage 1b)

Apfelmus

‘Ein meist kalt gegessener Brei aus gekochten Äpfeln’ wird regional verschieden mal als Beilage zu Hauptgerichten, mal als Dessert gereicht. Für diese Speise wurden vier Bezeichnungen gemeldet.

Die Bezeichnung Apfelbrei wird nur in einem Gebiet verwendet, das im Wesentlichen Hessen, Unterfranken, den Norden Schwabens und Teile der Pfalz umfasst.

Fast im gesamten Sprachgebiet ist diese Speise hingegen als Apfelmus bekannt und gebräuchlich. Mus ist ein altes Wort für ‘Brei’, das es auch in einigen anderen germanischen Sprachen gibt; die ursprüngliche Bedeutung von germanisch *mat, von dem sich Mus ableitet, ist ‘Speise’ (Pfeifer). Entsprechend bezeichnete Gemüse, das Kollektivwort zu Mus, zunächst eine ‘breiartige Speise aus zerkleinerten Nutzpflanzen’, später erst wurde es zur Sammelbezeichnung für diese Nutzpflanzen selbst. Im Mittelhochdeutschen lautete das Wort muos. In vielen Dialekten, in denen das mittelhochdeutsche uo- nicht zu einem Langvokal u- monophthongiert wurde, spricht man das Wort heute noch mit einem Diphthong aus. So heißt es z. B. in schweizerdeutschen Dialekten Öpfelmues. (Wichtig ist in der Schweiz etwa auch, dass man für den Gesundheitsbrei zum Frühstück nicht Müsli sagt, sondern Müesli, denn Müsli wäre eine ‘kleine Maus’ ...)

Aus dem Saarland und auch aus dem Rhein-Mosel-Gebiet wurde vereinzelt Apfelschmier, -schmeer oder -schmeres als ortsüblicher Ausdruck genannt. Die Bezeichnung deutet darauf hin, dass der Apfelbrei auch gern als süßer Brotbelag, den man sich also aufs Brot ‚schmierte‘, verwendet wurde (RhWb I, 218).

Der Gebrauch von (Apfel-) Kompott in Ostbelgien kann auf französischen Einfluss zurückzuführen sein (vgl. frz. Compote ‘Gemischtes’, Pfeifer). Das Wort Kompott ist zwar durchaus auch im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt, aber als Bezeichnung für etwas anderes, nämlich eingemachtes Obst, d. h. Obst, das – gegebenfalls in Stücke zerteilt – durch Einlegen in Zucker haltbar gemacht und in entsprechende Gläser abgefüllt wurde. Im Französischen wird hier jedoch sprachlich oft nicht differenziert,  und auf dem Weg über mehrsprachige Warenbeschriftungen und Speisekarten kann sich dies in Belgien auf den Sprachgebrauch auch im Deutschen ausgewirkt haben.