Rechen

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Rechen (Frage 3f)

10_03f Foto: Pandi / pixelio.de

Max Frisch berichtete in seinem „Berliner Journal“ am 18.3.1973 von einem Ausflug in die damalige West-Berliner Enklave Steinstücken. Er beschreibt die Grenzanlagen u.a. wie folgt: „Und jenseits der Mauer: 15 bis 20 Meter gerechter Sand, damit jeder Fusstritt zu sehen ist“ (zit. nach Auszügen, die die NZZ am 28.12.2013, S. 25, vorabdruckte). Die Formulierung „gerechter Sand“ wäre ohne Kontext für Norddeutsche möglicherweise missverständlich; für sie wäre „geharkter Sand“ eindeutiger. Die beiden Verben rechen und harken liegen den Bezeichnungen für das auf dem Bild links abgebildete Gerät mit mehreren Zinken zugrunde, das zur Auflockerung des Gartenbodens und/oder – wie im Textbeispiel gemeint – zur Einebnung des Bodens verwendet wird. Das althochdeutsche Verb rehhan  wie auch das mittelniederdeutsche reken bezogen sich ursprünglich offenbar auf das Zusammenscharren der mit Asche bedeckten Glut bzw. der Asche selbst, während das Wort harken wohl das kratzende Geräusch beim Harken/Rechen nachahmte (Pfeifer). Man darf annehmen, dass die Verbreitung der beiden Verben rechen und harken ein ähnliches Bild ergibt wie das für die Verbreitung von Rechen und Harke. Die Karte zeigt eine vor allem in der Mitte und im Osten Deutschlands relativ scharf verlaufende Isoglosse zwischen der nördlich davon verwendeten Bezeichnung Harke und dem südlich davon gebräuchlichen Wort Rechen. Sie fällt dort – von kleineren Ausnahmen abgesehen – erstaunlich deutlich mit den politischen Grenzen zwischen den Bundesländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen (im Norden) und Sachsen, Thüringen und Hessen (im Süden) zusammen. Nur im Westen, im südlichen Rheinland, gibt es ein die Grenze zwischen zwei Bundesländern (nämlich Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) überschreitendes Übergangsgebiet. Das Nebeneinander der beiden Wörter in diesem Gebiet mag mit einer ursprünglichen Bedeutungsdifferenzierung in den Mundarten zu tun haben: Harke bezeichnete in den Dialekten das Gerät aus Eisen, Rechen das aus Holz (RhWA, 65). Die heutigen Verbreitungsgebiete der beiden Wörter haben sich in den letzten Jahrzehnten offenbar nur geringfügig verändert, wie der Vergleich mit der entsprechenden Karte des WDU (I-13) zeigt.